„denn die Kunst…“

DENN DIE KUNST IST EINE TOCHTER DER FREIHEIT
FOR ART IS A DAUGHTER OF FREEDOM

April 8 – 28, 2017
GALERIJA AB
MAGLAJ
Bosnia & Herzegovina

participating artists:

KRISTINA BREITENBACH (Germany)

LORRAINE CROSS (Ireland)

KELLY FISCHER (Switzerland/USA)

CLAUDIA HIDDEMANN-HOLTHOFF (Germany)

GERLINDE KOSINA (Austria)

ELISABETH RASS (Austria)

BERNHARD SCHINKO (Austria)

KOEN SOBERON (Belgium)

HERWIG MARIA STARK (Austria)

 

THEMA:

„DENN DIE KUNST IST EINE TOCHTER DER FREIHEIT“ – Auszug aus Friedrich Schillers Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen, 1795, 2. Brief

„Aber sollte ich von der Freiheit, die mir von Ihnen verstattet wird, nicht vielleicht einen bessern Gebrauch machen können, als Ihre Aufmerksamkeit auf dem Schauplatz der schönen Kunst zu beschäftigen? Ist es nicht wenigstens außer der Zeit, sich nach einem Gesetzbuch für die ästhetische Welt umzusehen, da die Angelegenheiten der moralischen ein so viel näheres Interesse darbieten und der philosophische Untersuchungsgeist durch die Zeitumstände so nachdrücklich aufgefordert wird, sich mit dem vollkommensten aller Kunstwerke, mit dem Bau einer wahren politischen Freiheit zu beschäftigen? 

Ich möchte nicht gern in einem andern Jahrhundert leben und für ein andres gearbeitet haben. Man ist eben so gut Zeitbürger, als man Staatsbürger ist; und wenn es unschicklich, ja unerlaubt gefunden wird, sich von den Sitten und Gewohnheiten des Zirkels, in dem man lebt, auszuschließen, warum sollte es weniger Pflicht sein, in der Wahl seines Wirkens dem Bedürfniß und dem Geschmack des Jahrhunderts eine Stimme einzuräumen? 

Diese Stimme scheint aber keineswegs zum Vortheil der Kunst auszufallen, derjenigen wenigstens nicht, auf welche allein meine Untersuchungen gerichtet sein werden. Der Lauf der Begebenheiten hat dem Genius der Zeit eine Richtung gegeben, die ihn je mehr und mehr von der Kunst des Ideals zu entfernen droht. Diese muß die Wirklichkeit verlassen und sich mit anständiger Kühnheit über das Bedürfniß erheben; denn die Kunst ist eine Tochter der Freiheit, und von der Nothwendigkeit der Geister, nicht von der Nothdurft der Materie will sie ihre Vorschrift empfangen. Jetzt aber herrscht das Bedürfniß und beugt die gesunkene Menschheit unter sein tyrannisches Joch. Der Nutzen ist das große Ideal der Zeit, dem alle Kräfte frohnen und alle Talente huldigen sollen. Auf dieser groben Wage hat das geistige Verdienst der Kunst kein Gewicht, und aller Aufmunterung beraubt, verschwindet sie von dem lärmenden Markt des Jahrhunderts. Selbst der philosophische Untersuchungsgeist entreißt der Einbildungskraft eine Provinz nach der andern, und die Grenzen der Kunst verengen sich, je mehr die Wissenschaft ihre Schranken erweitert.“

*************************

„FOR ART IS A DAUGHTER OF FREEDOM“ – Excerpt from Friedrich Schiller’s Letters on the Aesthetic Education of Man, 1795, 2nd Letter

“But I might perhaps make a better use of the opening you afford me if I were to direct your mind to a loftier theme than that of art. It would appear to be unseasonable to go in search of a code for the aesthetic world, when the moral world offers matter of so much higher interest, and when the spirit of philosophical inquiry is so stringently challenged by the circumstances of our times to occupy itself with the most perfect of all works of art – the establishment and structure of a true political freedom. 

It is unsatisfactory to live out of your own age and to work for other times. It is equally incumbent on us to be good members of our own age as of our own state or country. If it is conceived to be unseemly and even unlawful for a man to segregate himself from the customs and manners of the circle in which he lives, it would be inconsistent not to see that it is equally his duty to grant a proper share of influence to the voice of his own epoch, to its taste and its requirements, in the operations in which he engages. 

But the voice of our age seems by no means favorable to art, at all events to that kind of art to which my inquiry is directed. The course of events has given a direction to the genius of the time that threatens to remove it continually further from the ideal of art. For art has to leave reality, it has to raise itself bodily above necessity and neediness; for art is the daughter of freedom, and it requires its prescriptions and rules to be furnished by the necessity of spirits and not by that of matter. But in our day it is necessity, neediness that prevails, and bends a degraded humanity under its iron yoke. Utility is the great idol of the time, to which all powers do homage and all subjects are subservient. In this great balance of utility, the spiritual service of art has no weight, and, deprived of all encouragement; it vanishes from the noisy Vanity Fair of our time. The very spirit of philosophical inquiry itself robs the imagination of one promise after another, and the frontiers of art are narrowed, in proportion as the limits of science are enlarged.”

%d Bloggern gefällt das: